Zum ersten Mal seit ewigen Zeiten hab ich ihn mir mal wieder angetan, den in Deutschland liebevoll “Grand Prix” genannten europäischen Musikmix. Der Abend war ja schon recht unterhaltsam, insbesondere weil ich zum ersten Mal ein Liveblog verfolgt habe. ;-)
Meine Favoriten:
- Portugal - der erste Beitrag, der mir wirklich symphathisch war. Landessprache ist für mich immer ein Pluspunkt. Die Sängern sah zudem sympathisch aus und die ganze Darbietung war ok. Warum sich alle Welt über die Deko belustigt, weiß ich nicht, aber sonst gab es halt auch nicht viel zu meckern.
- Norwegen - war klar der Favorit, was sich in der Punktevergabe europaweit einheitlich bestätigen sollte. Gründe sind eigentlich naheliegend: Ohrwurmpotential, Fidel, selbstkomponiert, selbstgedichtet, selbstgespielt, romantisch, mit Charme, mit Ecken, mit Kanten, folkloristisch angehaucht, unschuldig aussehender Schwiegermutterschwarm und doppelte Staatsbürgerschaft. Norwegischer Text hätte mir vermutlich noch besser gefallen. War absehbar und für mich nachvollziehbar. Soll auch Leute geben, die das zum Kotzen finden, nunja, so supercool oder superelitär bin ich halt nicht.
- England - bis auf den Geigenstupser in meinen Augen die professionellste und geschliffenste Darbietung. Nette Stimme, aber nicht soviel Charme.
- Estland - fand ich richtig cool. Ruhig und fast düster klingend. Estnisch hört sich für mich ziemlich skandinavisch an.
- Armenien - gewöhnungsbedürftig und fast anstrengend. Aber die Kostüme und die Choerographie fand ich beeindruckend. Dass das Lied zum Teil Englisch war, konnte ich wegen des starken Akzents kaum raushören.
Deutschland fand ich auf Platz 20 ziemlich verdient. Mal ehrlich, auch wenn das Lied jetzt nicht zu den schlimmsten Beiträgen zählte (da fand ich Finnland und Griechenland um Längen übler), aber ein amerikanischstämmiger Latino, ein nicht gerade für hohen künstlerischen Anspruch stehenden Musikschnipselfrickler und eine amerikanische Schlampe mit einem aalglatten Plastikpopliedchen.
Geht’s einfach mal einige Spuren weniger dick aufgetragen? Wenn Roger Cicero beim ESC abgewatscht wird, tut mir das wirklich leid.
Das ist dann unverdient. Bei Max Mutzke, Guildo Horn oder Stefan Raab hätte mir das ebenfalls leid getan, war aber aufgrund der Resonanz nicht nötig. Irgendwie scheint Authenzität also durchaus ein Schlüssel zu sein und wenn es nur heißt, dass der Gescheiterte in Deutschland mit einem ernstgemeinten, aufmunternden Schulterklopfen empfangen wird anstatt mit Häme und Spott.
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