Ich bin ein ungeduldiger Mensch und warte nicht gern. Zum Beispiel darauf, dass mein Mann während einer Diskussion sein Gehirn auf Betriebstemperatur gebracht und einen Gedanken zum Leben erweckt hat. Damit macht er mich wahnsinnig. Oder darauf, dass mein 3jähriger seinen Trotzanfall hinter sich bringt und wieder ansprechbar ist. Macht mich auch irre. Nun gut, Familie. Die dürfen das, irgendwie.
Andere dürfen das irgendwie nicht. Die BVG zum Beispiel sollte sich das tunlichst verkneifen, besonders wenn der Tag straff durchgeplant und es so hot in the city ist, dass sich meinen Aggregatszustand von fest zu flüssig verändert. Das innere Teufelchen zückt seinen Dreizack, piekt, hüpft, tobt und schimpft (innerlich), wenn ich nach 30 Minuten U-Bahn-Mief auch noch 40 Minuten in der Sonne stehe, voll Vorfreude auf den Bus warte, der mich nach Hause bringt (246) und dabei drei andere Busse durchfahren lasse, die mich immerhin in fußläufige Nähe gebracht hätten (M46), wäre ich für die sieben Minuten Fußweg nicht zu faul gewesen.
Während ich da so stand, sinnierte ich darüber, dass es schon recht schräg ist mitten in Berlin an einem Wochentag um ca. 13 Uhr 40 Minuten in der Gegend rumzustehen und auf einen blöden Bus zu warten. Und ich erinnerte mich daran, dass in Erfurt (Landeshauptstadt von Thüringen, mit Wohlwollen gerade so an die 200.000 Einwohner) etliche Bushaltestellen mit einer Anzeigetafel ausgestattet waren, auf der man bei Ausfällen gewarnt wurde. Luxus!
Bei der Gelegenheit fällt mir ein, was ich heute auf der BVG-Website während meines routinemäßigen Karrierechancenchecks entdeckt habe:
ACHTUNG:
E-Mail-Bewerbungen können nicht berücksichtigt werden!
Ich habe ja schon davon gehört, dass es Unternehmen gibt, die noch auf die gute alte Papierbewerbung stehen, ein gepflegtes Mäppchen, mit dem sich Bewerber am laufenden Meter “hiermit bewerben”, nachdem sie von der Stellenanzeige “mit großen Interesse gelesen” haben, aber so mitten in Berlin … da wartet man ja auch 40 Minuten auf den Bus.

Wir haben in Köln ja HUGO, die Station am Neumarkt. Ja, die heißt wirklich so: H für “Haltestelle”, U für “U-Bahn” und GO für “geht ganz schnell weiter”…wer sich sowas ausdenkt, gehört mit Ammoniakspritzpistolen geamoklauft. ;D
Klingt als gäbe es sie noch in Berlin. Die analoge Welt, die umständliche synchrone Kommunikation, das beschriebene Papier, die Scheu vor Neuem. Irgendwie nostalgisch. In der heutigen Zeit einen Menschen zu treffen der 40 Minuten auf einen Bus wartet ist irgendwie selten geworden. Naja, wir haben ja auch erst 2009, vor 10 Jahren war das Internet und das moderne Zeugs ja noch ein Spielzeug von Freaks :D ….